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Vertragslos, Tag 9

Von | 09.06.2010, 20:01 | Kein Kommentar

Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Ich bin nicht Sascha T. Um derartige Mumaßungen gleich im Keim zu ersticken: Ich war das nicht. Ich habe ein Alibi. Ein felsenfestes. Der Vorfall ereignete sich letzten Freitag, gegen 18 Uhr. Da war ich ausser Landes. Weshalb der junge, verhaltensauffällige Kollege mit einer geborgten E-Card zum Arzt […]


Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Ich bin nicht Sascha T.

Um derartige Mumaßungen gleich im Keim zu ersticken: Ich war das nicht. Ich habe ein Alibi. Ein felsenfestes. Der Vorfall ereignete sich letzten Freitag, gegen 18 Uhr. Da war ich ausser Landes.

Weshalb der junge, verhaltensauffällige Kollege mit einer geborgten E-Card zum Arzt ging, geht aus dem quer durch alle Medien publizierten APA-Artikel nicht hervor. Was Platz für Mutmaßungen offenlässt, vorzügliche Mutmaßungen: Vielleicht war der Mann ein neuer Selbstständiger, eine Ich-GmbH, ein Einzelunternehmen, kurz: ein SVA-Versicherter. Der sich nun von seinem beispielsweise WGKK-versicherten Freund / Nachbar / sonstwer das Kärtchen ausgeborgt hat, weil er selber den Arztbesuch (der wiederum vielleicht nur den Zweck hatte, sich selbst ob seltsamer Symptome unerklärlicher Herkunft einfach nur zu beruhigen) nicht zahlen wollte. Oder, schlimmer noch: konnte.

Den kolportierten Indizien nach steht einigermaßen fest: Der Mann hat einen Knall. Sonst kommt er, nachdem er von der Arztgehilfin entlarvt wird (peinlich genug), nicht auf die Idee, andere Leute zu verhauen. Oder sogar anzufahren. Aber auch Knall-Inhaber haben ein Recht auf Behandlung. Selbst zu einem Zeitpunkt, an dem man noch gar nicht weiß, dass sie einen Knall haben.

Die Ärztekammer sieht das derzeit anders. Man hat den Mitgliedern – also den Ärzten –  geraten, die E-Card eines unbekannten Patienten gar nicht erst in den Reader zu schieben (auf diese Art wird normalerweise festgestellt, welcher Versicherung der Patient angehört), weil da ja schon irrtümlich abgebucht werden könnte, was die SVA ihrerseits als Etappensieg insofern werten könnte, als dass die Ärzteschaft ja nichtmal geeint auftritt, wenn sich die Kammermitglieder nicht an die Tipps ihrer Innungsvertretung halten. Kriegsrhetorik gewissermaßen, nur halt ohne Krieg. Bloß auf dem Rücken zahlender Zwangsversicherter.

Wären wir alle so drauf wie Sascha T. aus Wien Döbling, hätte diese Empfehlung das nun gerichtsanhängige Ungemach verhindert, möglicherweise jedenfalls. Dann wäre es nämlich wurscht gewesen, wessen E-Card der 24jährige Heißsporn mitgebracht hat: Sie hätte ihm sowieso nichts gebracht.

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