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Prince: Darf er das?

Von | 17.07.2007, 15:26 | Kein Kommentar

  Eigentlich habe ich mir ja ein kleines Schweigegelübde auferlegt, das erst Ende August gebrochen werden sollte. Zu Prince und der Strahlkraft seiner Musik wurde in diesem Blog, anderswo und überhaupt schon genug gesagt, sein dieser Tage erscheinendes neues Album „Planet Earth“ ist kein Anlass, dem noch etwas hinzuzufügen (nur so viel sei gesagt: Bekanntes […]

 

darf_er_dasEigentlich habe ich mir ja ein kleines Schweigegelübde auferlegt, das erst Ende August gebrochen werden sollte. Zu Prince und der Strahlkraft seiner Musik wurde in diesem Blog, anderswo und überhaupt schon genug gesagt, sein dieser Tage erscheinendes neues Album „Planet Earth“ ist kein Anlass, dem noch etwas hinzuzufügen (nur so viel sei gesagt: Bekanntes auf stagnierendem Niveau, die Texte ein gottesfürchtiger Schmafu), daher kein Kommentar.
Nun geschah aber, dass Prince (für die Neueinsteiger: eine Pop-Genie aus den 80er-Jahren, dessen Höhepunkt seines Schaffens ungefähr zwischen 1984 und 1989 anzusiedeln ist) dieser Tage Thema in diversen Medien war, egal ob Online oder Print. Und er fand sich dort auch eher in den Wirtschaftsseiten als in der Kultur. Das hat einen einfachen Grund: Vergangenen Sonntag, dem 15. Juli, lag der reaktionären britischen Sonntagszeitung Mail on Sunday das neue Prince-Album bei, gratis, drei Millionen Exemplare insgesamt – und eine gute Woche vor der regulären Veröffentlichung. Prince soll für diese Werbeaktion vom Verlag rund 250.000 Pfund bekommen haben, also 370.000 Euro. Die Reaktion der Musikindustrie auf diesen Schritt war natürlich wenig erfreut: Da verschenkt jemand, was sie später verkaufen wollen. Und da steht spätestens seit Sonntag nicht nur für Mail On Sunday-Käufer gratis in den Internet-Tauschbörsen herum, was eigentlich was kosten soll. Und Prince? Wird in allen Kanälen als Visionär einer maroden Branche gefeiert, weil er wie in den vergangenen zehn Jahren schon oft auf die Plattenfirma als Vertriebsnetzwerk für seine Produkte nur mehr der Vollständigkeit halber zurück greift – und mit der Mail-Propagandaaktion für so absurde Auswüchse sorgt wie jenen, dass der britische Musikhändler HMV nun auch die besagte Sonntagszeitung verkauft.
Die im Titel formulierte Frage, ob das erlaubt ist, war ohnehin nur rhetorisch gemeint: Natürlich darf er das. Da hat einfach jemand die Fakten akzeptiert, so verwerflich sie für all jene sind, die auch heute noch bereitwillig Geld für Musik auf Trägermedien zum Angreifen ausgeben – mich eingeschlossen. Und die Fakten sagen, dass nachwachsende Generationen nichts für Musik bezahlen werden, weil sie es noch nie getan haben. Wer den Gang ins Plattengeschäft oder zum Elektronikdiskonter nicht in seiner Jugend gelernt hat, wird ihn auch in Zukunft nicht mehr antreten. Punkt.
Bezeichnend übrigens auch die Diskussionen zur Causa in diversen Foren: Das übliche Killerargument von der fortschreitenden Entwertung eines Kulturguts wird da ebenso strapaziert wie der Vorwurf, dass eine ehemals ganz Großer mit ganz großer (und bedingungslos treuer) Gefolgschaft kein Maßstab sei. Ersteres ist Blödsinn, denn das Kulturgut Musik (vor allem, wenn man es auf Popmusik eingrenzt) bemisst seinen Wert nicht im Preis, den ein Konsument dafür bezahlt, sondern darin, was er davon hat: nämlich immer noch den Distinktionsgewinn durch besonderen (vulgo: anderen) Geschmack. Dass das am besten mit Musik funktioniert, wurde jüngst wieder empirisch bewiesen.
Und die Künstler, um die sich die Gegner von Filesharing und Gratis-Musik sorgen, weil sie verhungern müssen, leben immer noch. Sie sind weder ärmer, noch reicher geworden, aber sie verdienen mehr mit Liveauftritten als mit dem Verkauf von Tonträgern – eine Tatsache, die sich wohl in der Explosion der Sommerfestival während der vergangenen Jahre und in den stetig steigenden Ticketpreisen manifestiert. Im Zeitalter des virtuellen Soundfiles gewinnt die Musik ihre Authentizität eben nicht mehr mit dem coolen Cover-Artwork, sondern durch die räumliche Nähe zum Idol in der Konzerthalle, im Club, auf der grünen Wiese.
Und sicher, Prince agiert mit seiner jüngsten Marketingaktion in anderen Sphären als jeder Newcomer. Aber er will auch nur kontrollieren, was da draußen in den Netzwerken kursiert. Er will seinen Namen im Gespräch halten, damit er weiter Stadien füllen kann (und zwar nachhaltig, denn seine Konzertserie in London im August ist schon seit Monaten ausverkauft und braucht kein weiteres Marketing mehr). Er sichert sich ein Anrecht auf das, was er am liebsten tut: Live spielen. Und über das, was bei seinen Konzerten geschieht, will nur er verfügen können. Mittlerweile sind jegliche Liveclips des Meisters vom Videoportal Youtube gelöscht worden. Seine Anwälte wollten es so. Mehr zu Prince live daher erst am am 30. August. Und zwar in etwa so.

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