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Vertragslos, Tag 7

Von | 07.06.2010, 16:01 | Kein Kommentar

Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Echt krank ist auch eine Lösung. Wieder zurück im Alltag machte sich heute morgen ein interessantes Phänomen des hypochondrischen Lifestyles bemerkbar: Mein Körper stoppt just in jenem Moment sämtliche Störaktivitäten vorgetäuschter Natur, in dem ein echter Krankheitszustand eintritt. In meinem konkreten Beispiel bedeutete dies ab dem Moment des […]


Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Heute: Echt krank ist auch eine Lösung.

Wieder zurück im Alltag machte sich heute morgen ein interessantes Phänomen des hypochondrischen Lifestyles bemerkbar: Mein Körper stoppt just in jenem Moment sämtliche Störaktivitäten vorgetäuschter Natur, in dem ein echter Krankheitszustand eintritt. In meinem konkreten Beispiel bedeutete dies ab dem Moment des Aufstehens rund eine Stunde lang eine seltsame Ruhe vor dem Sturm, bis das Frühstück anstand.

Gerade als ich mich zu wundern begann, offenbarte sich der Grund dafür. Während ich mein Müsli löffelte, wurde mir schlecht. Richtig schlecht. Magenverdorben schlecht. So schlecht, dass es nicht mal mein Körper zusammenbrächte, mich so einzuübeln.

So würgte ich also die letzten Bissen Müsli hinunter und würgte dann gleich stante pede weiter, allerdings in die andere Richtung. Zum äußersten kam es zwar nicht, das Müsli blieb bei mir. Aber schlecht war mir ordentlich. So richtig kotzübel. Schon malte ich mir in feinsten Farben aus, wie ich mir wohl im sonigen Süden eine Darmgrippe zugezogen haben könnte. Oder was ähnlich G’schmackiges vielleicht.

Der Magen würgte also, der Kalt-Schweiss stieg mir auf die Stirn – aber abgesehen davon fühlte ich mich pudelwohl. Kein Herzstechen, kein Halskratzen, kein Schlaganfall androhendes Kopfweh, nicht mal der Schwanz juckte

So begann ich eine gewisse Qualität dabei zu entdecken, krank zu werden, also: In echt. Nicht ernsthaft freilich, das wäre katastrophal. Aber so ein Middleclass-Siechtum, irgendwas in Form einer Grippe, eines Schnupfens, einer Bronchitis oder eben einer Magenverstimmung – das würde mir abseits der freilich mühsamen, aber wenigstens berechenbaren Symptome der echten Krankheit eine Verschnaufpause von den ewigen Superleiden verschaffen, die sich mein Körper einbildet.

Zum Arzt gehen, also tief ins Ersparte greifen, werde ich vorerst übrigens nicht. Mein Zustand bessert sich langsam, gegen Mittag war sogar schon eine halbe Portion Grillflieger drinnen. So schlimm kann es also nicht sein – aber bitte verpfeifen Sie mich nicht bei meinem Körper! Noch nicht …

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