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Kelis & Christina Aguilera: Zwei gegen Lady Gaga

Von | 04.06.2010, 7:22 | 4 Kommentare

Lady Gaga ist eine Nervensäge. Nur leider ist ihre Konkurrenz viel zu lahm, um diesen Zustand zu beenden. Der Irrtum des Schwätzers liegt darin, dass er glaubt, er müsse Blödsinn nur oft genug wiederholen, um ihm Relevanz zu verschaffen. Gestern habe ich mir auferlegt, das neue Album „Bionic“ von Christina Aguilera durchzuhören. Bitch, Bitch, Bitch, […]

Lady Gaga ist eine Nervensäge. Nur leider ist ihre Konkurrenz viel zu lahm, um diesen Zustand zu beenden.

Der Irrtum des Schwätzers liegt darin, dass er glaubt, er müsse Blödsinn nur oft genug wiederholen, um ihm Relevanz zu verschaffen. Gestern habe ich mir auferlegt, das neue Album „Bionic“ von Christina Aguilera durchzuhören. Bitch, Bitch, Bitch, heißt es darauf. Und Lick, lick, lick.

Macht einem solches Geschwätz schlimme Gedanken? Natürlich nicht, weil erstens jede durchschnittliche 14jährige aus Wien Ottakring roher zu sprechen vermag als Christina Aguilera. Und weil zweitens im Viral Video-Pop ohnehin schon alles wurscht ist. Alles ist laut, laut, laut. Alles ist hot, hot, hot. Und wer zum richtigen Zeitpunkt die richtige Mischung daraus schafft, wird Lady Gaga, die erste originäre Pop-Kreatur für die Zehnerjahre – und die einzige Messlatte, wenn Pop-Kreaturen aus den Nullerjahren versuchen, dem etwas entgegen zu setzen.

Christina Aguilera zum Beispiel. Die will jetzt wieder ganz groß draufhauen, sagt sie in Interviews. Sie sei nämlich die einzig wahre Bitch, schwätzt sie weiter. „Bionic“ werde diese Lady ohnehin aus der Welt fegen. Und ihre Kraft dafür, so erzählt sie gerne, komme von innen – gereifte Frau und solche Sachen.

Aber im Wesentlichen geht es ihr ums persönliche Anliegen, auch als Mutter von 30 Jahren noch ständig Sex zu haben („Sex for Breakfast“ heißt der entsprechende Song, einer dieser unvermeidlichen Oh-ich-hab-so-eine-tolle-Stimme-Walgesänge). Oder darum, eingebildeten Ziegen in hässlicher Kleidung vorzusingen, wie wichtig sie für die Welt sind. Sei eine „Prima Donna“ (auch ein Song, zum Tanzen produziert), nutze Männer als Spielzeug, kauf dir was Schönes. Herrgott, als wäre ein neuer Sex & The City-Kinofilm nicht schon Landplage genug, wähnt sich jetzt auch noch Christina Aguilera in postfeministischer Mission.

Ironie der Geschichte dabei ist übrigens auch noch, dass sie für einen Song die Rapperin M.I.A engagiert hat, um nur ja die richtige Dosis hippe Revolte an Bord zu haben. Bloß liefert sich M.I.A im Vorfeld der Veröffentlichung ihres eigenen Albums gerade ein kleines Scharmützel um ihre Glaubwürdigkeit mit der Journalistin Lynn Hirschberg , die sie fürs Sonntagsmagazin der New York Times porträtiert hat. Nur so viel: Es geht dabei um Pommes Frites und Trüffel, und so dumm das klingt, ist die Geschichte auch. Soll heißen: Das wird nichts mehr.

Und so habe ich meine Hoffnung gestern auch noch kurz an die Sängerin Kelis vergeudet. Denn immerhin, Kelis war die mit dem „Milkshake“ und mit „Caught Out There“. Gute Frau, gute Stimme, die rückblickend eigentlich schon immer bessere Lady Gaga, die nie recht zu fassen war. Jetzt gibt es wieder neue Musik von ihr, neun Lieder, zusammengefasst unter dem Albumtitel „Flesh Tone“.

Kelis macht jetzt mal in Electro. Angesagter Style, will die ganze Welt hören, gemma. Dafür wurden die teuersten Produzenten angerufen, die lieferten ein paar Tracks von der Stange, dazu gibts bunte Videos wie das zur ersten Single „A Capella“. Das Stück ist selbstverständlich von David Guetta produziert und funktioniert hiermit garantiert auf jeder Maturareise zwischen Side und Antalya. Aber weil Maturanten keinen Geschmack haben, ist es natürlich trotzdem Mist. Und der Rest? Keine Ahnung, warum ich Kelis einmal so gemocht habe.

Soll heißen: Um dieser Nervensäge Lady Gaga zu zeigen, wie’s wirklich geht, muss wohl erst Madonna wieder ein Album machen. Ich befürchte, es wird so weit kommen.

4 Kommentare »

  • "Gesellschaftskritiker" sagt:

    Tja was soll man dazu noch sagen…
    Alleine der Künstlername Lady GaGa ist einfallsloser, als ein spaziergang bei strömenden Regen. Das Problem, dass Lady gaga so erfolgreich ist, liegt einfach darin, dass es so viele unendlich dumme Menschen gibt und die Betonung dazu liegt klarerweise auf DUMM. Ja, die dummen Menschen sind es, die sich so einen unterdurchschnittlichen sche*** ohne jeglichen musikalischen Anspruch mit Begeisterung anhören können und eben das macht diese vermeintliche Pop-Sängerin Lady GaGa so erfolgreich. Ihr müsst euch vorstellen, diese schiere unvorstellbare, grenzenlose anzahl von menschen im millionenbereich, wenn vielleicht nicht schon bis hin zur knappen milliarde sind, einfach ausgedrückt, der grund warum lady gaga nicht schon längst in der versenkung wieder verschwunden ist. Und überhaupt, mit musik hat das ganze sowieso in keinster weise mehr was zu tun. Hier geht es einzig und alleine sich durch gaga-„musik“ berieseln zu lassen bis zur geistigen Abtötung bzw. abstumpfung. Was soll man den eigentlich noch dazu sagen, lady gaga spiegelt lediglich den entwicklungsstand unserer heutigen „gesellschaft“ wieder, und dieser ist alarmierend unterentwickelt, hauptsächlich natürlich in geistiger hinsicht, denn darum geht es ja, bzw, sollte es ja im menschlichen leben in erster linie gehen. Noch mal angemerkt, lady gaga ist musikalisch auf niedrigstem niveau, da wäre noch das uns allen bestens bekannte „alle meine entlein“ viel musikalischer als alle bisherigen lady gaga songs zusammen. Das was lady gaga macht, oder besser gesagt inszeniert, ist nur ausgeklügelte show, bühnenshow, sonst gar nix. Und allen, denen das gefällt, sollen sich das ruhig nur weiterhin einverleiben, um sich ja nicht geistig zu verausgaben. Denn!… „lieber dumm bleiben statt g´scheit werden“, wird wohl das motto bzw. lebensphilosophie der geistig „unterprevelegierten“ sein, oder?

  • […] nächsten Montag (21.6.) habt ihr so die Chance die neue „Flesh Tone„-CD von Kelis zu […]

  • Alicia sagt:

    Ganz genau meine Gedanken. Beide Damen haben phänomenale Stimmen – ist das wirklich nötig um Alben zu verkaufen? Traurige Wahrheit…

  • manuela sagt:

    schöner text. bis auf eines: madonna hatte nie, was gaga hat. kalkül vs goforit – kein vergleich

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