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Vertragslos, Tag 2

Von | 02.06.2010, 16:00 | Kein Kommentar

Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders. Mit frischer Wucht, so wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt hatte, kehrte gegen Mittag Mister Herzinfarkt ein. Inklusive Kurzatmigkeit, Brustmittenkrampf und stechenden Schmerzen in der linken Hand. Derlei kam erstmals vor fünf Jahren über mich, in Verbindung mit dem kumulierten Vorkommen von Medienberichten in der Art von: […]


Das Tagebuch eines SVA-Versicherten und Hypochonders.

Mit frischer Wucht, so wie ich es seit Jahren nicht mehr erlebt hatte, kehrte gegen Mittag Mister Herzinfarkt ein. Inklusive Kurzatmigkeit, Brustmittenkrampf und stechenden Schmerzen in der linken Hand. Derlei kam erstmals vor fünf Jahren über mich, in Verbindung mit dem kumulierten Vorkommen von Medienberichten in der Art von: „Herzinfarkt – längst kein Altenleiden mehr“ und „35jähriger Manager von Herzinfarkt dahingerafft“. Fein auch: „Untrügliche Anzeichen eines Herzinfarktes – Ignorieren kann tödlich sein!“.

Jedenfalls war ich damals der Eisenbahn nachgelaufen, hatte in der linken Hand meinen viel zu schweren Koffer nachgeschliffen und spürte in der Folge von Wien bis München eine Zerrung im Brustmuskelbereich. Die sich mühelos auch als Herzschwäche, hervorgerufen durch das schnelle Laufen so früh am Morgen, interpretieren ließe. Seither habe ich häufig genau jene Symptome, die man laut den schlauen Zeitungsratgebern nicht igorieren sollte.

Wie gerne wäre ich auch heute unverzüglich bei meine Hausarzt eingeritten, nur um mir ein weiteres Mal von ihm versichern zu lassen, ich sei noch zu jung für einen Herzkasperl. Was ihm auch das noch recht taufrische EKG, das wir erst vor zwei Wochen gemacht hatten, stecken würde. Aber auch der Hausarzt muss von was leben und hätte nun gerne 40 Euro für eine derartige Auskunft. Kein schlechter Stundenlohn einerseits. Andererseits: Der Mann ist ja schließlich auch SVA-versichert. Und das muss man sich einmal leisten können …

So musste ich mich aber ganz von alleine ins Lot kriegen. Mir selbst klarmachen, dass ein leichtes Überdehnen des linken Armes nach hinten-oben bei einem echten Herzinfarkt nicht wirklich helfen würde. Mich von einem älteren Kollegen, der schon einmal einen echten solchen hatte, wie schon so oft herzhaft auslachen lassen. Und mich letztlich davon überraschen zu lassen, dass der Herzinfarkt just in dem Moment jede Wirkung verliert, in dem ich mich auf irgendetwas anderes als auf den bevorstehenden, sicheren  Herztod konzentriere.

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