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Schulreform: Mehr vom Gleichen

Von | 26.05.2010, 9:16 | 7 Kommentare

Gymnasium für alle? Oder doch was anderes? Unsere Gesellschaft hat jedenfalls kuriose Mittel, um Menschen zu erziehen. Wenn du kriminell wirst, kommst du ins Gefängnis, wo du deine Zeit eingesperrt  mit anderen Kriminellen und Gefängniswärtern verbringst. Wenn man dich wieder entlässt, bist du wundersamerweise ein vollwertiger straffreier Bürger. Genauso erziehen wir unsere Kinder. Wir zwingen […]

Gymnasium für alle? Oder doch was anderes? Unsere Gesellschaft hat jedenfalls kuriose Mittel, um Menschen zu erziehen.

Wenn du kriminell wirst, kommst du ins Gefängnis, wo du deine Zeit eingesperrt  mit anderen Kriminellen und Gefängniswärtern verbringst. Wenn man dich wieder entlässt, bist du wundersamerweise ein vollwertiger straffreier Bürger. Genauso erziehen wir unsere Kinder.

Wir zwingen sie tagtäglich in ein Gebäude, wo die Lehrer im Stundentakt mit Worten auf sie eindreschen. Während selbst die Industrie im 20. Jahrhundert die Klingel abgeschafft hat, benützt man sie in der Schule sehr oft noch , um die Kinder ans Arbeiten und Pause zu erinnern.

Im Lebensabschnitt zwischen acht und 18 Jahren, wo die Hormone verrückt spielen und das Wachstum jedes Kindes invididuell voranschreitet, sortieren Staat oder private Institutionen die Kinder nach Alter (und fallweise auch nach Geschlecht), stecken sie zusammen und erwarten, dass nach neun bzw. zwölf Jahre die Schüler ausgebildet und uniform wie Fischstäbchen die Schule verlassen. Deren angebliches Wissen hängt ihnen wie lockere Panier um, der Kern ist so ungenießbar wie je.

Statt das Problem bei der Wurzel zu packen, ist die aktuelle Diskussion über Schulreformen geradezu lächerlich. Seit über zweihundert Jahren hat unser derzeitiges System, das die Preußen für die Ausbildung ihrer Soldatenbürger erfanden, keine grundlegende Veränderung erfahren, obwohl im vergangenen Jahrhundert, dank der Entwicklungspsychologie, viele verschiedenen pädagogischen Systeme entwickelt wurden.

Für einen weiteren Einblick verweise ich hier noch auf diese Buchrezension von mir. Sie ist zugegebenermaßen etwas parteiisch.

7 Kommentare »

  • saxo lady sagt:

    ich bin mir ja nie sicher, ob uns (der gesellschaft) das passiert oder ob da doch ein paar masterminds genau wissen, mit welchen mitteln wir welche gesellschaft produzieren.
    für eine „geiz ist geil“ und „gehts der wirtschaft gut, gehts der wirtschaft gut“ – gesellschaft ist alles genauso, wie es sein soll.
    http://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM

    die frage ist, warum lasse ich es zu, dass meine beiden söhne diesem wahnsinn ausgesetzt sind und ich versuche, mit meinen bescheidenen mitteln dagegenzuhalten??
    wieweit bin ich teil der welt und mache sie und wieweit bin ich ihr völlig ausgeliefert?
    ich frag ja nur…

    • Boyang Xia sagt:

      a) wir leben nicht in einer „geiz ist geil“ gesellschaft, so sehr Saturn uns das einreden will. Ich denke die Werbung hat exakt null Effekt auf die Konsumenten, aber vollen Effekt auf die Medien, die uns volle Panik einreden, wie geizgeil wir sind.

      b) Geht es der Wirtschaft gut, geht es uns allen gut, mehr oder minder. Das Motto ist besser als „L’Etat, c’est moi.“ oder „Fürs Vaterland“. Im Gegensatz zum König oder Staat ist Wirtschaft etwas, was die Menschen wirklich betrifft.
      Natürlich ist das kapitalistische System nicht perfekt, vieles ist verbesserungswürdig. Aber es ist weitaus besser als alle andere System, die existieren oder existiert haben. Fazit: Es könnte weitaus schlimmer sein.

      • saxo lady sagt:

        sorry, seh ich nicht so. der begriff „wirtschaft“ hat nur „vaterland“ oder „könig“ ersetzt. soviel anders ist es nicht.
        die rolle des journalismus in diesem spiel seh ich auch als zweifelhaft, da stimme ich dir zu. aber meine wahrnehmung ist immer noch:
        gehts der wirtschaft gut, gehts der wirtschaft gut.
        und diesem dogma müssen sich halt alle beugen. die freie wirtschaft darf natürlich nicht zu sehr vom staat gelenkt werden…gaaanz böse und diktatorisch. aber wenns zu verlusten kommt, soll der steuerzahler das system, das vorher schon ein paar wenigen wesentlich mehr genützt hat als der großen masse, retten…wo ist der unterschied zum raubrittertum entlang der donau zu zeiten der mächtigen bischöfe und fürsten?

        die banken und versicherungen sind die einzigen, die private gewinne machen können mit gesetzlich vorgeschriebenen zwangsmitgliedschaften…??? wie passt das zusammen? und warum lassen wir uns das gefallen? nur, weils wo anders sooviel schlechter ist und bei uns soo viel schlechter sein könnte?
        angst ist ein dämlicher ratgeber.

        • Boyang Xia sagt:

          Nun, natürlich gebe ich dir Recht, dass Politik den Reichen und Mächtigen dienen und dass Wirtschaftstheorien so lange genüge getan wird, bis sie die Interessen der Privilegierten verletzen.

          Ich halte nur deinen Wut für etwas überreagiert. Das Problem ist nicht Kapitalismus, sondern die Welt und das menschliche Wesen an sich. Unser derzeitige Gesellschaftsform ist eine Lösung, die Probleme zu lösen, die wir als Menschn und Gesellschaft haben. Sie ist keine gute, aber die beste, die wir so weit haben.

          • saxo lady sagt:

            :D wut?
            du hast mich wütend noch nicht kennengelernt..;)
            und das menschliche wesen für das problem zu halten..hmmm..halte ich für völlig umgedreht.
            das menschliche wesen ist schließlich das, worums geht. nicht irgend eine übergeordnete wesenheit..wurscht, ob gott genannt, oder wirtschaft, geld, liebe…etc.
            der mensch als dualistisches wesen in einer dualistischen welt ist genau deshalt hier: um „gut“ und „böse“ in einklang zu bringen. das erfolgt halt immer in wellenlinien…die natürliche bewegung zwischen zwei polen.

            so gesehen ist das, was wir haben, immer das beste…auch, wenn wir es nicht immer gut empfinden.
            schulsystem ist genau so ein konstrukt, dass so wies läuft..aber auch ganz anders funktionieren kann.
            trägheit versus wandel
            auch zwei pole.

  • mare sagt:

    bin für die einführung von lehr-meistern. z.b. ein lehrer bekommt drei fünfjährige die er bis zur volljährigkeit begleitet, d.h. für alle fähigkeiten und begabungen seiner schützlinge holt er die geeigneten lehrer (sport, musik, mathe bio usw) um gemeinsam das großartige potential zu heben;-))
    wäre das nicht ein konzept in dem alle erfolgreich ihren weg gehen???

    • Boyang Xia sagt:

      Ich glaube nicht an one shoe fits all. Ich plädiere für Methodenpluralismus. Ich bin nicht per se gegen das gegenwärtige System, ich bin nur dagegen, dass es alle Kinder aufgezwungen wird. Wenn schon Zwang angewendet werden muss, dann sollte das — unter den jetzigen Umständen — am besten durch Eltern oder Erziehungsberechtigten stattfinden, die das Kind am besten einschätzen können. Aber vor allem sollte Bildung auf Freiheit und Vertrauen basieren. Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes, und Freiheit für die Entwicklung des Kindes.

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