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Islamophobie ist fragwürdig, aber nicht verboten

Von | 25.05.2010, 6:00 | 5 Kommentare

Das Verbot von Gesichtsverhüllung in Frankreich wird in ganz Europa Diskussionen über Islamophobie auslösen. Dabei ist Islamophobie nicht bloßer Rassismus, sondern begründeter Diskurs. Die Islamophobie hat zwei Facetten. Manche sogenannte Islamophobe sind Rassisten, die ähnlich wie viele Antisemiten ihren Hass hinter Israelkritik verstecken. Sie werden zu Recht kritisiert. Die andere Facette ist eine intellektuelle Kritik. […]

Foto: flickr.com/niomix2008, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0

Das Verbot von Gesichtsverhüllung in Frankreich wird in ganz Europa Diskussionen über Islamophobie auslösen. Dabei ist Islamophobie nicht bloßer Rassismus, sondern begründeter Diskurs.

Die Islamophobie hat zwei Facetten. Manche sogenannte Islamophobe sind Rassisten, die ähnlich wie viele Antisemiten ihren Hass hinter Israelkritik verstecken. Sie werden zu Recht kritisiert.

Die andere Facette ist eine intellektuelle Kritik. Der Islam ist eine Religion, und als solche eine Idee. Wie die Geschichte demonstriert hat, können Ideen Menschen zu Großem verleiten oder Verheerendes anrichten. Dass man Angst davor hat, ist verständlich. Ob die Angst begründet ist, muss man rational diskutieren, anstatt alle Islamkritiker von vornherein als Rassisten an die Wand zu stellen.

Dass manche Menschen Rassismus mit Islamkritik vermischen,  ist unbestritten. Das wirft ein schiefes Licht auf die betreffenden Personen, aber deshalb darf die intellektuelle Islamkritik nicht pauschal verteufelt werden.

Viele soziale und moralische Probleme sind mit dem Islam verbunden: Die Stellung der Frauen in der Gesellschaft, die Einstellung zu Politik, zu anderen Religionen und zu Homosexualität müssen alle diskutiert und kritisiert werden. Ob die Problematik nur eine temporäre Erscheinung des Islams ist, oder ob es im Kern dieser Religion liegt, gehört ebenso hinterfragt.

Vor dem Intellekt gibt es kein Allerheiligstes, das vor Diskussion geschützt ist. Und für den Islam darf und wird es keine Ausnahme geben. Man darf also zu Recht vor einer Idee Angst haben. Und man darf eine Idee in jeder Hinsicht diskutieren. Im zivilen Diskurs ist der Islam wie alle anderen Ideen einfach nur Freiwild.

5 Kommentare »

  • Ein weiterer Muslim sagt:

    Ich hoffe, Islamfeindlichkeit hat nun nicht ein weiteres Medium erschlossen?

    „Im zivilen Diskurs ist der Islam wie alle anderen Ideen einfach nur Freiwild“.

    Islam ist keine Idee, Islam ist die wahre Botschaft, Islam ist das Leben, Islam ist das Erwachen von dem Alptraum, den man uns als Realität vorgaukelt. Islam können Sie nicht theorethisch erlernen, Islam müssen Sie erleben.. Erst wenn Sie mit der unendlichen Energiequelle verbinden, ja da fangen sie es zu verstehen, weil sie es zu spüren beginnen.

    Selbst wenn Sie der einzige sind, haben Sie die Kraft, sich dem Rest der Welt zu behaupten. Und das ist kein Zufall.

    Der erste Schritt dafür: „die eigene Wichtigkeit verlieren“, aber für die meisten ist das kaum mehr möglich. Und das eigene Ego ist die Verbindung zum Bösen.

    Die meisten, die über Islam sprechen/schreiben sind so ähnlich wie Schwimmlehrer, die selbst nie im Wasser gewesen sind. Und das Schwimmen können Sie nicht von den Büchern lernen, Diskutieren darüber hilft Ihnen auch nicht viel weiter, das befriedigt nur Ihr Ego…

    • Boyang Xia sagt:

      Hallo Ein Weiterer Muslim,

      Danke für Ihren Kommentar. Ich war einmal auf einer Vorlesung von einem amerikanischen Theologie-Professor, der denkt, dass der Glaube an Gott der natürliche Zustand des menschlichen Geistes und Atheismus ein mentaler Defekt ist. Wer also nicht an Jesus als Erlöser glaubt, ist geistesgestört. Das Tolle an dem Argument ist, dass man es nicht widersprechen kann, weil man sonst zugibt, an eine geistige Störung, nämlich Atheismus, zu leiden.

      Ich respektiere Ihre Religiösität und schließe nicht a priori aus, dass der Islam die wahre Botschaft ist. Und ich würde mich freuen, wenn Sie mir den Islam näher bringen. Aber Sie müssen auch akzeptieren, dass ich eventuell den Islam nicht als die Wahrheit halte, weil ich mich irre oder weil Sie sich irren.

      Zu sagen, dass jeder, der den wahren Islam kennt, ohne Zügern zum Islam übertreten werde, und dass jeder, der Islam kritisiert, ihn nicht kennt, ist nicht nur einfach, sondern auch immer richtig, weil es nicht falsifizierbar ist. Haben Sie schon von Karl Popper gehört?

  • Cevahir Derzah sagt:

    Hallo und schönen Abend!

    Vielleicht sollte auch ein Muslim etwas darüber schreiben :)

    Zunächst die Antwort zu Hollabusch: Islam hat nicht das Bedürfnis in irgendeine Kategorie hineinzupassen. Um es vielleicht kurz zu fassen: Alkohol, Prostitution, Drogen, Zinsen,.. sind verboten im Islam, selbst wenn Ihr Wertekatalog das zulässt, sagt hier Islam, „hmm, es stimmt leider einiges mit Ihrem Wertekatalog nicht, lassen Sie sich helfen“.

    Was Boyang Xia hingegen meint: Ja, ein Diskus ist notwendig, denn es gibt 1000 Versionen des Islam, und die 90% davon sind nicht Kor’an-konform. Da viele Muslime ihre Kultur zu Ihrer Religion gemacht haben und auch diese Kultur als Religion im Westen verstanden wird (wie bei der Dame mit Burka im Bild – arabische Tradition) muss man sogar darüber reden.

    Konsumiert nicht die Meinung anderer oder der gleichgeschalteten Medien, sondern bildet Ihr Eure eigene Meinung selbst:

    Islam ist die einzige Wahrheit, die noch auf dieser Erde in ihrer reinsten Form zu finden ist, und zwar im heiligen Buch Kor’an (auch in deutscher Sprache):

    http://www.kuran.gen.tr/?x=s_main&kid=7

    herzliche Grüße an jene, die auf der Suche nach der Wahrheit sind…

    ——————————————

    p.s. Ein Beispiel, Sure Fatiha (The Opening)

    Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen. Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten, Dem Gnädigen, dem Barmherzigen, Dem Herrscher des jüngsten Gerichts. Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Führe uns auf den geraden Weg, Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Dein) Mißfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind.

  • Hollerbusch sagt:

    Das reizt zur hypothetischen Frage: Und was wäre die Konsequenz, wenn sich zeigt, dass die „sozialen und moralischen Probleme“ beim Islam „im Kern der Religion liegen“? Wenn also die Werte eines distillierten Islams in Widerspruch zum offiziellen Wertekatalog unserer Gesellschaft liegen?

    • Boyang Xia sagt:

      Hallo Hollerbusch, danke dass du mich auf den Punkt aufmerksam machst. Die Frage nach der Essenz einer Religion ist natürlich genauso fruchtbar und sinnvoll wie die Suche nach dem wirklichen Kommunismus oder der wirklichen Demokratie.

      Ich selbst denke, ein Begriff wie Islam ist ein flüssiges Konzept. Wir sollten uns eher fragen, was besser ist: Alle Muslime von ihrer Religion abkehren, oder hoffen, dass der Islam europakonform wird, oder andere Optionen. Um die Frage zu klären, müssen wir wissen, was das Gute ist. Aber das ist eine andere Diskussion…

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